Auf den Punkt gebracht
"Goldküste" nannten
die Portugiesen das Land, in dem sie 1470 das erste Kastell
errichteten. Die reichen Goldvorkommen des Landes und die lukrative
Einnahmequelle des Sklavenhandels weckten viele Begehrlichkeiten.
Kein Wunder also, dass erst die holländische Krone Ghana
den Entdeckern abtrotzte und schließlich die Briten sich
die kostbare Kolonie sicherten. Erst Anfang des 20.Jahrhunderts
war mit der Niederwerfung der Ashanti der letzte Widerstand
der Ureinwohner gegen die neuen Herren gebrochen. Fast 500 Jahre
nach der Ankunft der Europäer, am 6.März 1857, entließ
Großbritannien Ghana als erste Kolonie Afrikas in die
Unabhängigkeit.
Die seit 2000 amtierende Regierung Kufour hat in den vergangenen
Jahren erhebliche Anstrengungen zur Befriedigung der Grundbedürfnisse
unternommen. Das Bildungssystem weist jedoch, vor allem auf
dem Lande, nach wie vor erhebliche Mängel auf. Ein Viertel
der Kinder und Jugendlichen im schulfähigen Alter besucht
nicht die Schule, weil die Eltern Schulausrüstung und -uniform
nicht bezahlen können. Weiterführende Ausbildungsangebote
gibt es kaum.
Ihr könnt etwas
tun!
Gemeinsam mit euch möchten wir in der ghanaischen Küstenregion
Dangme East die Zukunftsperspektiven für benachteiligte
Jugendliche und Frauen durch berufliche Ausbildung verbessern
12 Euro im Monat kostet ein Aus- oder Weiterbildungsplatz
eines benachteiligten Jugendlichen.
Der Zeugnistag - Kwames
Fest
Die alljährliche Zeugnisvergabe kurz vor Weihnachten
ist ein ganz besonderer Tag im Leben der Jugendlichen, ihrer
Familien und Dorfgemeinschaften: Kwame, einer von 150 AbsolventInnen,
die häufig nicht einmal die Mittlere Reife haben, beendet
dieses Jahr seine zweijährige Berufsausbildung. Mit dem
staatlich anerkannten Zertifikat von GROWTH hat er bessere
Aussichten, seinen Lebensunterhalt zu verdienen und die Familie
zu unterstützen. Dies verschafft ihm nicht nur soziale
Sicherheit, sondern auch Anerkennung in der Dorfgemeinde.
Seine Angehörigen und Freunde sind mindestens ebenso
stolz über den Abschluss wie Kwame selbst. Sie stürmen
nach der Entgegennahme des Zeugnisses auf "Ihren Sprössling"
zu, bestäuben ihn mit weißem Puder, einem Symbol
der Reife, und jubeln bis zur Erschöpfung. Die Übergabe
wird immer wieder durch eine Trommelgruppe unterbrochen, die
für ausgelassene Stimmung sorgt.
Die verlorenen Töchter
und Söhne von Dangme East
Dangme East ist eine Küstenregion südöstlich
von Accra, die sich bis zum Mündungsgebiet des Voltaflusses
erstreckt. Früher war der Fischfang eine lukrative Einkommensquelle,
in den letzten Jahren gingen die Fangerträge stark zurück,
denn die einheimischen Fischer sind mit ihren Holzbooten gegenüber
der modernen Fischereiflotte nicht mehr konkurrenzfähig.
Auch die Landwirtschaft wirft immer weniger Erträge ab,
weil seit dem Bau des Akosombo-Staudammes die Böden versalzen
sind.
In der Hoffnung auf ein besseres Leben verlassen viele junge
Frauen und Männer ihre Dörfer und gehen in die Landeshauptstadt
Accra: Sie lassen alles hinter sich - die Familie, die Freunde,
die Dorfgemeinschaft. Schlecht ausgebildet und unerfahren,
finden jedoch die Wenigsten in der Hauptstadt wirklich das
ersehnte Glück. Die Mehrzahl der Jugendlichen landet
in einem der Armenviertel - entwurzelt, ohne Aussicht auf
Arbeit und Perspektiven. Jungen Frauen und Mädchen, die
meist nicht einmal Gelegenheitsjobs finden, bleibt oft nur
der Ausweg in die Prostitution.
GROWTH - ein Selbsthilfeprojekt,
das Mut macht
Aus der Bevölkerung kam der Anstoß, den Teufelskreis
aus wirtschaftlichem Niedergang, Abwanderung der Jugend und
weiterer Verarmung zu durchbrechen. Zusammen mit der Nichtregierungsorganisation
GROWTH entwickelte sie in der zweiten Hälfte der 90er
Jahre ein Projekt, das der Armut in der Region den Kampf ansagt.
Mädchen und Jungen sollten wieder eine Perspektive in
Dangme East bekommen. So begann die Organisation mit der Umsetzung
folgender Maßnahmen:
berufliche Ausbildung für
benachteiligte Jugendliche
Schaffung von Arbeitsplätzen
durch Förderung, Beratung und Weiterbildung von Klein-
und Kleinstbetrieben
Einkommenserhöhung
durch Vermittlung neuer Produktionstechniken wie verbesserte
Anbau- und Fischfangmethoden
Lernen für´s
Leben
GROWTH bietet mehrere Ausbildungsgänge: Der Unterricht
in den Ausbilundgszentren ist sehr praxisnah und orientiert
sich an dem, was in der Region gebraucht wird.. In allen Kursen
werden die Lehrlinge an der Materialbestellung beteiligt,
sie erlernen die Grundbegriffe von Buchhaltung, Marketing,
Produktionsmanagement und Qualitätskontrolle. So werden
sie auf eine erfolgreiche Existenzgründung vorbereitet.
Schon während der Ausbildung bringen die Jugendlichen
ihre Kenntnisse und Fertigkeiten auch in ihren Gemeinden zur
Anwendung. Dadurch erfahren sie eine vorher nicht gekannte
Wertschätzung und werden in ihrem Willen, die Ausbildung
erfolgreich zu beenden, gestärkt.
GROWTH bemüht sich auch um eine verstärkte Beteiligung
und Förderung von Mädchen und führt regelmäßig
Bildungs- und Sensibilisierungsprogramme in insgesamt 200
Gemeinden der Projektregion durch. Auch die Kurse im Kunsthandwerkszentrum
zielen vor allem auf eine stärkere Beteiligung von Mädchen
ab.
Messbare Erfolge
Mehr als die Hälfte der inzwischen ca. 500 AbsolventInnen
hat direkt eine Beschäftigung in der Region gefunden
hat oder kann regelmäßig ein höheres Einkommen
erzielen! Viele der Ausgebildeten setzen ihre Ausbildung fort,
um den nächst höheren Abschluss zu erreichen. Das
positive Beispiel von GROWTH ist den Menschen der Region Ermutigung,
ihr Schicksal in die eigene Hände zu nehmen.
Hintergrund der Entwicklungszusammenarbeit
Regierung, Justiz und Parlament in Ghana fördern das
Menschenrechtsbewusstsein und die Menschenrechte. Bemerkenswert
sind die in den Medien praktizierte Meinungsfreiheit, die
religiöse Toleranz der Regierung und die Versammlungsfreiheit.
Hauptprobleme sind der Geldmangel des Staates, der Mangel
an ausgebildeten Fachkräften auf mittlerer und unterer
Ebene in Wirtschaft und Verwaltung sowie die große Armut
von ca. 40 % der Bevölkerung (Pro-Kopf-Bruttoinlandsprodukt
im Jahr 2004: ca. 440 US-Dollar).
Die Politik der ghanaischen Regierung ist vor allem auf die
Bekämpfung der Armut gerichtet Schwerpunkte der deutschen
Entwicklungszusammenarbeit mit Ghana sind folgende Bereiche:
Demokratie, Zivilgesellschaft,
Öffentliche Verwaltung
Landwirtschaft und Ernährungssicherung
Wirtschaftsreform und Entwicklung
der Marktwirtschaft
Daneben engagiert sich
die Bundesregierung im Transportsektor als auslaufenden Bereich.
Das Gesamtvolumen der Entwicklungszusammenarbeit mit Ghana
beläuft sich seit 1961 auf 1,142 Millionen EUR.
Ghana: Daten, Fakten, Wissenswertes
| Klima |
tropisch feuchtheiß |
| Größe: |
238.537 qkm |
| Hauptstadt: |
Accra (seit 1877; zuvor
Cape Coast), ca. 1,9 Mio |
| Landessprachen: |
Amtssprache: Englisch;
daneben Akan-Sprachen (u.a. Twi, Fanti), Ewe, Ga, Haussa
und ca. 40 weitere Sprachen und Dialekte |
| Religionen/Kirchen: |
Evangelische Kirche (Presbyterianer,
Methodisten, Baptisten, Charismatische Bewegungen, zusammen
ca. 20%), Katholische Kirche (10%), Islam (30%), zusätzlich
Naturreligionen (40%) |
| Einwohnerzahl |
20,5 Mio im Jahr 2003;
zusätzlich etwa 2 Mio im Ausland |
| Unabhängigkeit: |
6. März 1957 |
| Regierungsform: |
Präsidialdemokratie
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Bildungssituation
Die Erziehungspolitik ist eine der
Prioritäten der ghanaischen Regierung. Das Schulsystem
ist derzeit noch dreistufig (sechs Jahre Grundschule (Primary
School), drei Jahre Mittelschule (Junior Secondary School)
und drei Jahre Oberschule (Senior Secondary School). Es orientiert
sich am britischen System und wird gegenwärtig reformiert.
Das Land hat fünf Universitäten (Accra, Kumasi,
Cape Coast, Winneba, Tamale) und einige Polytechnische Schulen.
Die Qualität des Unterrichts leidet unter dem Finanzmangel
der Institutionen und den niedrigen Gehältern der Lehrer.
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